Auf Initiative der Fachschaft Informatik und des Abteilungsleiters MINT des Ganztagsgymnasiums Osterburken (GTO), Joachim Fischer, hielt der ehemalige Schüler und Preisträger des Wettbewerbs Invent a Chip des VDE, Olaf Dünkel vor rund 120 Schülerinnen und Schüler der Klassenstufen 9. und 10 und interessierten Lehrerinnen und Lehrern einen Vortrag zum Thema Künstliche Intelligenz (KI). Der Informatiker Dünkel betreibt in diesem Bereich im Rahmen seiner Promotion Forschung am Max-Planck-Institut Saarbrücken.
Wie funktioniert eigentlich ChatGPT? Kann eine Künstliche Intelligenz wirklich „verstehen“, was sie schreibt – oder sagt sie nur das wahrscheinlich nächste Wort voraus? Und was bedeutet das alles für Schule, die Berufswelt und unseren Alltag? Welche Aufgaben kann sie perspektivisch erledigen?
Unter dem Titel „ChatGPT & Co – Generative KI für Bild und Sprache“ nahm Olaf Dünkel sein Publikum mit in die Welt der generativen KI. An anschaulichen Beispielen zeigte er, wie Sprachmodelle Texte erzeugen, wie Bildgeneratoren bei der Gesichtserkennung eingesetzt werden können und auch kreative Motive erschaffen – vom Auto aus Gemüse bis zur Schwarzwälder Kirschtorte im Schwarzwald. Warum sind moderne KI-Systeme so leistungsfähig geworden, dass es in Albanien sogar eine KI – generierte Ministerin gibt?
Und dabei bleibt es nicht: ChatGPT spannt den Bogen von Wow-Effekten bis zur Umweltbelastung durch einen enormen Energiebedarf. Dünkel thematisierte daher gerade auch die Chancen und Risiken. So verklagten Eltern bereits dessen Entwickler nach dem Suizid ihres Kindes – ein Zeichen, dass KI-Systeme nicht ganz unumstritten sind.
Aber worin besteht die Gefahr? Immer wieder hört man im Zusammenhang mit KI von „Halluzinationen“. Was ist das und wie entstehen sie? Welchen Einfluss haben sie sie im Zusammenhang mit Deepfakes (Fälschungen u.a. in Wahlkämpfen)? Welche Rolle spielen Vorurteile in Trainingsdaten? Wie verändert KI unser Lernen, Arbeiten und die Kreativität? Und wie können wir verantwortungsvoll mit diesen Werkzeugen umgehen? Alles Fragen, mit denen sich Dünkel in seinem rund 70- minütigen Vortrag auseinandersetzte.

Daten seien Währung und Macht, so Dünkel. Man teile sie unbewusst. Diese trainieren und optimieren zugleich GPT. Man sollte daher keine geschützten oder persönlichen Daten preisgeben. Zum Beispiel könne über die Sprachsteuerung von WhattsApp auf alle Smartphonedaten zugegriffen werden.
Olaf Dünkel gab Einblicke in aktuelle wissenschaftliche Fragestellungen und der eigenen Forschung. KI, so Dünkel, bezeichnet zunächst die Lernfähigkeit von Computern. Er verglich diese mit der Funktion des neuronalem Netzes des menschlichen Gehirns. Generative KI umfassen somit KI-Modelle, die selbstständig neue Inhalte erzeugen können.
Das ermögliche den Einsatz von KI in der Praxis. Ein promintentes Beispiel sei die Bilderkennung im autonomen Fahren. KI wirke vielfach entlastend, da sie Dinge in wesentlich kürzerer Zeit als der Mensch erledigen kann. Das mache die Nutzung verlockend. Mit ihrer Hilfe steige die Produktivität zunehmend exponentiell. Obwohl sie längst nicht alle Potentiale ausgeschöpft habe, werde die KI aber sicher nicht alles ersetzen.
Der Mensch aber werde immer gebraucht werden. Allein die Hardware könne ihn nicht ersetzen, auch wenn man in China große Fortschritte in der Robotik mache.
Ein häufiger auftretendes Problem sind „Halluzinationen“. Das sind (fake)-faktenbasierte, in ihrer Kombination unwahre Texte und Bilder. KI habe nämlich kein Gefühl für die Wahrheit. Noch problematischer sind aber bewusst generierte Deep Fakes, also mit KI entworfene Fehlinformationen. Diese beeinflussen Wahlen.
In Vergleichsstudien wurde zudem festgestellt, dass die unreflektierte Nutzung von KI die Gefahr geistiger Selbstverzwergung in sich trage. Das Nichtnutzen des Gehirns führe mittelfristig zu einem vermehrt ausbleibendem Fehlerbewusstseins und fehlender Reflexion. SprachLLMs sollten daher nur dosiert zur Bewältigung genau umrissener Aufgaben genutzt werden. Die KI könne hier nur unterstützen. Gleiches gelte auch für die praktische Umsetzung von Ergebnissen für die Zukunft. Die KI kenne nur die Theorie und nur die Vergangenheit. Sie wisse nicht, wann sie etwas nicht weiß. Trotzdem versuche sie uns die Welt zu erklären. Die KI handele des Weiteren nie aus sich selbst heraus. Zudem sei nur der Mensch empathisch. Die KI hingegen sei an der menschlichen Befindlichkeit desinteressiert. Das Fazit ist klar: „Herz, Hirn und Bauchgefühl“ müssen präsent bleiben, so Dünkel in seinem abschließenden Appell.
Nach dem Ende des anschaulichen Vortrags folgten zahlreiche Fragen, vor allem bezüglich der Berufswelt und der Rolle Europas in der KI-Entwicklung. Ausbaufähig seien die Investitionen der europäischen Unternehmen angesichts der globalen Konkurrenz aus den USA und China. Hinsichtlich der Forschung und Innovation überrage Europa die USA, die aber ein erfolgreiches Sprachmodell haben und mehr investieren. Das mache die USA für Forscher sehr interessant. Zudem sei die Umsetzung vieler Ergebnisse aus europäischer Sicht in der Praxis unrentabel. China aber sehe das oft anders. Längst sind die Ostasiaten trotz ihrer gesellschaftlichen Probleme Konkurrent. Die Europäer können und müssen daher besonders innovativ bleiben.
Es folgten Fragen zur Zukunft der Berufswelt: So seien Berufe, in denen es auf planbare Routinen ankommt, insbesondere in den Bereichen Justiz, Wirtschaft, Finanzen, Verwaltung und Mathematik unter Druck. Mäßig gefährdet seien die Kunst, die Bildung, Facharbeiter und medizinisches Personal. Bei der Entwicklung neuer, kreativer Ideen, der Strukturierung von Sachverhalten, dem Erkennen von Mustern, körperlich anstrengenden, gestalterischen Berufe und bei Arbeiten, die besondere Empathie erfordern, sei und bleibe der Mensch auf Sicht unverzichtbar.
Was hat Bestand und wo wird sich der Alltag tatsächlich verändern? Wir stehen als Gesellschaft vor großen Herausforderungen. Dabei müssen unsere Werte geschützt werden. Der Hype werde sich abflachen. Nach der Ernüchterung und Stabilisierung brauche man wie immer Problemlösungs- und Methodenkompetenz. Aber eben auch das, was uns Menschen besonders ausmacht: es braucht Empathie, Menschenverstand und Bauchgefühl.